Aus der Geschichte der Faust Braustuben

Man schrieb das Jahr 1654, als Kilian Franzmathes, der Begründer der Löwenbrauerei Miltenberg, das heutige Brauhaus Faust, dem Rat der Stadt Miltenberg zum erstenmal das „Umbgeldt“ (heute mit der Getränkesteuer vergleichbar) zahlte. Er war Bierbrauer, kam aus dem Lütticher Land (Belgien) nach Miltenberg und hieß eigentlich Kilian Francois Mathieu Servantaine. Sein Name wurde jedoch recht schnell „verdeutscht“ und als „Franzmathes“ kaufte er 1661 „ein wüst Haus“ an der Stelle des heutigen Brauhaus Faust. In der Folge verlegte er dorthin sein Brauhaus und erhielt 1664 das Schildrecht „Zum weißen Löwen“.

1796 errichtete der damalige Eigentümer Franz Anton Ludwig das Haus (heute Bürogebäude des Brauhaus Faust) neu und richtete die Gasträume im ersten Stock sowie einen Saal im 2. Stock ein. 1875 wurde von den Gesellschaftern der damaligen Brauereigesellschaft der junge, aus Eisenbach stammende Braumeister Johann Adalbert Faust eingestellt. Mit Können und Fleiß brachte er die Brauerei zu neuer Blüte und erwarb nach und nach alle Anteile der Brauereigesellschaft, bis er 1895 im Alleinbesitz der Löwenbrauerei war. Der Brauerei Ausschank zum „Weißen Löwen“ bestand noch bis zum Ende des 1. Weltkriegs. Bereits seit 1888 bestand nächst der Brauerei am Main ein Sommerbiergarten.

Der Bereich der heutigen Faust Braustuben wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. als Fassbierlager der Brauerei genutzt. Nach einem verheerenden Brand am 12. Mai 1894 verlegte Johann Adalbert Faust die Fassbierhalle und errichtete an ihrer Stelle eine Gartenwirtschaft. Das Ratsprotokoll der Stadt Miltenberg vom 28. Mai 1894 hält fest: „Gesuch der Löwenbrauerei um Genehmigung zum Betriebe einer Restauration in Ihrer am Main gelegenen Fassstelle. Wird befürwortet.“

Am 9. Juni 1895 wurde die Gartenwirtschaft zur Mainlust eröffnet. Am darauf folgenden Wochenende fand ein erstes Konzert statt, zu dem im Boten vom Untermain vom 18. Juni zu lesen stand: „Unsere unter bewährter Leitung stehende Stadtkapelle konzertierte gestern in der Gartenwirtschaft „Mainlust“ des Herrn Faust. Die vorzüglich intonierten Musikstücke und ein delikates „Löwenbräu“ verhalfen manniglich zu animierter Stimmung. Da capo!“

Der Biergarten der „Mainlust“, der vom Löwenwirt Heinrich Diflo betrieben wurde, war mit einer offenen Halle überdacht. In ihr befand sich ab 1898 das wohl größte Kunstwerk des Miltenberger Malers Rudolf Wahl (1876-1906) „Huldigung vor Gambrinus“. Dieses dreiteilige Kolossalgemälde, in dem neben dem Künstler auch die älteste Tochter Lotte von J.A. Faust dargestellt ist, galt lange Zeit als verschwunden, befindet sich heute jedoch im Besitz der Brauerfamilie Faust. Ebenso das Wirthausschild „Zum weißen Löwen“ von 1796, welches noch bis nach 1936 an der Mainlust zur Einkehr einlud.

1950 erfolgte der Abbau der Sommerbierhalle, die andernorts wieder aufgeschlagen noch bis in die 70 er Jahre als Lkw-Garage und Lager für Festmöbel und anderes Inventar diente.

Nach grundlegendem Umbau unter den Architekten Margarete und Wolfgang Bley wurde die Gaststätte 1955 als Löwenbräustüble mit dem attraktiven Löwenbräugärtle wiedereröffnet. 1986 erfolgte der Umbau mit Erweiterung zur Faust Braustuben.

Nach einer grundlegenden Neukonzeption eröffnete das Faust – Bräustüble, Lounge, Biergarten im April 2005 unter Leitung der Brauerfamilie Faust seine Pforten.

Zur Geschichte des Brauhauses FAUST

Bis 1913 wurde im Gebäudeteil des heutigen Bräustübchens noch ein Eiskeller betrieben. Nach dem 1. Weltkrieg wurde dieser umgebaut und in die Gaststätte miteinbezogen. Wilhelm Papst, der in der Zeit zwischen den Weltkriegen die Mainlust bewirtschaftete, ist noch manchem alten Miltenberger ein Begriff. 1937/38 wurde nochmals umgebaut und die Wirtschaft neu eingerichtet.

Während des 2. Weltkriegs wurde der Betrieb der Mainlust eingestellt und die Räume als Zellstofflager an die Glanzstoffwerken in Elsenfeld vermietet.

Nach dem Krieg fand hier die Tischtennisabteilung des TV Miltenberg vorrübergehend eine Bleibe.

Blick in die Löwengasse mit dem "Gasthaus zum Löwen" nach dem Umbau 1937/38
Der Sommerbiergarten "Zur Mainlust" um 1900
"Huldigung vor Gambrinus" - Kolossalgemälde in der ehemaligen "Mainlust", 1898
Gesellige Runde in der "Mainlust", um 1896